Samstag, Juli 09, 2011

Wichtigster Prozess am Rote Khmer Tribunal eröffnet

27.06.2011 - Vor dem Völkermord-Tribunal in Kambodscha hat einer der wichtigsten Prozesse zur Aufarbeitung der Gräueltaten der Roten Khmer begonnen. Mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Terror-Regimes stehen die letzten noch lebenden Verantwortlichen vor Gericht. Angeklagt sind Pol-Pot-Vize Nuon Chea, der Chefideologe und "Bruder Nr. 2" der Bewegung, der frühere Staatschef Khieu Samphan, Ex-Außenminister Ieng Sary sowie dessen Ehefrau Ieng Thirith, die Ministerin für soziale Angelegenheiten war. Sie müssen sich unter anderem wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verfolgung religiöser Minderheiten verantworten. Alle vier haben sich für unschuldig erklärt.

Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha dauerte von 1975 bis 1979. Das Regime unter Pol Pot wollte eine kommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Es zwang die Städter aufs Land und verordnete ihnen Schwerstarbeit auf den sogenannten Killing Fields.

Hunderttausende Menschen starben durch Hungersnöte, Seuchen und Zwangsarbeit. Weitere Hunderttausende Verdächtige wurden als Feinde des Regimes gefoltert und ermordet. Insgesamt fielen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer fast 1,8 Millionen Menschen zum Opfer - fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung. 1979 vertrieben vietnamesische Truppen die Roten Khmer und zogen in die seit vier Jahren verlassene Hauptstadt Phnom Penh. Jahrelang wurde niemand zur Rechenschaft gezogen, weil Kambodscha zum Spielball der Weltmächte wurde und im Bürgerkrieg versank. Pol Pot starb 1998 unbehelligt in der Provinz.