Mittwoch, März 09, 2011

1.500 Familien droht die Zwangsräumung

Bis zu 1.500 Familien in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodscha, droht die Zwangsräumung. Dies könnte die größte Zwangsräumung der jüngeren Geschichte Kambodschas werden. Die Bewohner um den Boeung Kak See in Phnom Penh wurden am 2. März von der Stadtverwaltung aufgefordert, ihre Unterkünfte innerhalb von einer Woche zu verlassen, andernfalls würden die Behörden das Gebiet zwangsräumen. Die Frist wurde inzwischen verlängert. Die Bewohner wurden mehrfach von der Polizei und Sicherheitskräften bedroht und eingeschüchtert, damit sie unzureichende Entschädigungszahlungen oder eine Umsiedlung akzeptieren. Die Polizei hat gewaltsam friedliche Proteste der Bewohner aufgelöst.

Insgesamt leben noch 2.000 Familien (ca. 10.000 Menschen) um den Boeung Kak See. Sie alle sind in Gefahr vertrieben zu werden, nachdem die Stadtverwaltung das 133 ha große Gebiet für 99 Jahre an eine private Baufirma verpachtet hat. Im August 2008 begann das Unternehmen den See aufzufüllen. Seitdem wurden schon 2.000 von einst 4.000 Familien gezwungen ihre Unterkünfte zu verlassen. Sie alle haben keine oder völlig unzureichende Entschädigungen und keine Alternativunterkünfte erhalten. Viele der Familien haben nach dem kambodschanischen Landgesetz rechtmäßige Ansprüche auf das Land. Jetzt droht 1.500 Familien die Zwangsräumung.

Rechtswidrige Zwangsräumungen sind eines der gravierendsten Menschenrechtsprobleme in Kambodscha. Zwangsräumungen werden häufig gewaltsam durchgeführt, die Bewohner werden an den Prozessen nur ungenügend oder gar nicht beteiligt, eine angemessene Entschädigung wird ihnen vorenthalten. Viele werden nach ihrer Zwangsumsiedlung in weit entfernten Gebieten angesiedelt, denen es an der einfachsten Infrastruktur wie Trinkwasser, Strom und sanitären Anlagen mangelt. Die große Entfernung zu ihren früheren Arbeitsmöglichkeiten hat zur Folge, dass viele ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.