Donnerstag, Juni 16, 2005

Geiselnahme in Kambodscha

Jakarta · 16. Juni · mkb · In Kambodscha ist bei einer Geiselnahme in einer Schule ein kleiner Junge aus Kanada erschossen worden. Zwei der vier Geiselnehmer starben ebenfalls, einer wurde verletzt. Die Polizei konnte 29 Kinder und einen Lehrer befreien, als sie das Drama beendete. Hintergrund und genauer Ablauf der Tat sind noch unklar, aber vieles weist darauf hin, dass Verbrecher Geld erpressen wollten.Vier Männer waren am Donnerstagmorgen mit einem Maschinengewehr in die internationale Schule der Stadt Siem Reap eingedrungen. In der Schule, die auch einen Kindergarten hat, lernen 70 Kinder aus vielen Ländern. Gut die Hälfte von ihnen konnte sofort fliehen oder wurde schnell freigelassen. Aber 29 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren und ein Lehrer blieben in der Gewalt der Geiselnehmer. Nach ersten Berichten forderten die Männer Gewehre, Granaten, Geld und ein Fluchtfahrzeug. Polizisten umstellten die Schule und nahmen per Telefon Kontakt zu den Geiselnehmern auf. Nach sechs Verhandlungsstunden betraten zwei Beamte das Gebäude. Augenzeugen berichteten von Schüssen, viele Kinder strömten aus der Schule. Noch eine Stunde lang fielen Schüsse, bis das Drama zu Ende ging. Offene FragenNach kambodschanischen Polizeiangaben wurde der kleine Junge erschossen, als die Geiselnehmer mit einigen Kindern in ein Auto stiegen. Es sei nicht klar, ob Kidnapper oder versehentlich Polizisten das Kind getötet hätten. Kambodschas Informationsminister sagte dagegen, Geiselnehmer hätten den Jungen während der Verhandlungen erschossen. Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund wurden nicht bekannt. Siem Reap ist das Touristenzentrum Kambodschas, jedes Jahr kommen Hunderttausende, weil in unmittelbarer Nähe die berühmte Tempelanlage Angkor Wat liegt.
Quelle: Frankfurter Rundschau Online (16.06.05)