Freitag, April 15, 2005

"Der ungesühnte Massenmord" in der FR

Wie nicht anders zu erwarten, erscheinen mittlerweile auch im bundesdeutschen Blätterwald die ersten "Jahrestagsberichte". So beginnt Moritz Kleine-Brockhoff in der Frankfurter Rundschau seinen Artikel mit der Blockade Phnom Penhs und der Evakuierung der US-Botschaft unter dem Namen "Operation Eagle Pull", ist sich aber ansonsten nicht ganz sicher, ob er Boulevard oder doch lieber faktenorientiert schreiben will. Der Text wird in der zweiten Hälfte besser und zeugt davon, dass Kleine-Brockhoff sich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat, als einige Kollegen, die ihr gesamtes Wissen aus dem Film "Killing Fields" bezogen zu haben scheinen. Er weiß, was von ihm erwartet wird, verfällt aber nicht in das übliche Schwarz-Weiß-Klischee.
Auffallend ist jedoch der Header des Artikels: "Vor 30 Jahren nahmen die Roten Khmer Phnom Penh ein - in vier Jahren Herrschaft starben Hunderttausende Kambodschaner ". Denn eigentlich wird die Zahl der ca. 1,6 Millionen Toten von niemandem bestritten, wenn auch die Todesursachen etwas differenzierter zu betrachten sind, als das die proamerikanische Presse seinerzeit gern gesehen hätte. Diese Differenzierung nimmt Kleine-Brockhoff zumindest ansatzweise vor.